Vorwort

 Sind Sie ein netter, zuvorkommender Mensch und achten Autoritäten? Sehen Sie sich manchmal in einer Opferrolle? Leiden Sie unter Ungerechtigkeiten und Selbstmitleid ist Ihnen auch nicht fremd? Hätten Sie nichts dagegen, ein bisschen mehr Geld zu haben?
 Wenn ja: aufgepasst! Als Ripdeal wird ein Geldwechselbetrug bezeichnet. Er findet in einer rechtlichen Grauzone
statt. Allein in Europa ernähren zwischen tausend und 1.500 Menschen damit ihre Familien, Sippen und Freunde.
Wer einen Ripdeal erlebt hat, muss ihn erst einmal verarbeiten. Und das ist gar nicht so einfach. Patentrezepte gibt es keine. Viele Opfer sind zunächst heftig traumatisiert. Und weil sie sich für das schämen, was ihnen passiert ist, oder gar Schuldgefühle entwickeln, erzählen viele auch niemandem davon. Es ist ihnen peinlich, hereingefallen zu sein und den Falschen vertraut zu haben. Sie greifen zur Flasche oder anderen Drogen und können sich einfach selbst nicht verzeihen. Verbitterung und Einsamkeit sind weitere mögliche Folgen. Selbsthilfegruppen gibt es keine. Im Internet gibt es zwar einige wenige Informationsseiten zum Thema und auch einige, auf denen öffentlich nach Tätern gefahndet wird. Doch die dort angegebenen E-Mail-Adressen scheinen veraltet zu sein. Zumindest antwortet kaum jemand. Oder sie wollen für dubiose Mitgliedschaften wieder Geld! Die Polizei antwortet  unbefriedigend, vermutlich weil nach ihrer Ansicht niemand in Lebensgefahr schwebt – oder das Delikt gar nicht strafbar! Verständnis bringt für die Ripdeal-Opfer kaum jemand auf – auch wenn sämtliche Ersparnisse und
möglicherweise sogar die komplette Altersvorsorge weg sind. Allzu schnell wird das Opfer selbst verurteilt: als zu gierig oder als Steuersünder, der ja vermeintlich nur sein Schwarzgeld ins Trockene bringen wollte. Sie wirklich verstehen und das angemessene Mitgefühl aufbringen kann ohnehin nur jemand, der es selbst erfahren und verarbeitet hat, jemand, der die Tiefen erlebt und später seinen Seelenfrieden wieder gefunden hat. Die Opfer müssen deshalb insbesondere lernen, Mitgefühl mit sich selbst zu haben! Je mehr Mitgefühl, desto eher könnte das Verständnis für Zusammenhänge entstehen, die anderen noch verborgen bleiben, zum Beispiel: Was geht eigentlich in solchen Tätern vor? Wissen die überhaupt, was sie sich selbst - und was sie ihren Opfern antun? Es gibt so viele Arten von Ripdeals, die klassischen und die abgewandelten. Es gibt sehr viele Opfer und eben auch sehr viele Täter. Und vermutlich werden es in Zukunft noch viele mehr werden.  In diesem Buch geht es nicht um Rache und auch nicht um Schuld. Es geht vielmehr darum, aufzuzeigen, was ein Ripdeal überhaupt ist, wer „so etwas“ tut und wer gefährdet ist, Opfer oder - Täter zu werden. Und es geht um den Versuch, das Ganze von einer anderen Warte aus zu sehen: aus einer Perspektive, aus der jeder selbst verantwortlich ist für seine Erfahrungen, – die er aus freien Stücken gemacht hat – egal ob gute oder schlechte, ob sie krank oder gesund waren, bitter oder süß: Sie alle führten schließlich zu einem köstlichen Tropfen Lebenserfahrung und Weisheit für die eigene unsterbliche Seele.  Schön ist die Utopie, die ganze Menschheit käme in ein alles umfassendes Mitgefühl und Gleichgewicht und somit in eine liebevolle und spielerische Anwendung von Opfer- und Täterenergie  untereinander – oder auch von männlicher und weiblicher Energie, vollkommen bewusst gewählt, sowohl
als Gebender als auch als Nehmender – und wo jeder zu beidem fähig ist. Sicher, das liegt wohl in weiter Ferne. Und doch ist es möglich. Gerade erst hörte ich in den Nachrichten, dass eine Mutter für den Mörder ihrer Tochter öffentlich um Frieden für seine Seele gebeten hat. Das gibt mir Hoffnung, dass der Verzicht auf den Glauben an Macht und Ohnmacht sowie an Rache und Sühne eines Tages befreiende, gelebte Wahrheit ist. Es würde ein Leben ohne Angst und ungewolltes Drama ermöglichen.  Was daraus doch alles entstehen könnte …!  Die folgende Geschichte ist frei erfunden, aber auch aus erlebten und recherchierten Begebenheiten entstanden. Es war erhellend und schön, sie zu schreiben. Lebende Personen wurden soweit verändert, dass sie nicht identifiziert werden können. Eigene Erkenntnisse aus dem Ganzen zu ziehen, ist freiwillig. Ich wünsche mir, dass Sie es spannend finden und Sie nie einem Menschen begegnen – vielleicht auch wegen dieses Büchleins – der „ripdealerische“ Absichten hat, ohne dass Sie diese als solche erkennen.

Daria Reiter, 2015